Bremerhaven feiert 2027 seinen 200. Geburtstag mit einem ganzjährigen Veranstaltungsprogramm, das die enge Verbindung der deutschen Hafenstadt zum Meer widerspiegelt. Das Jubiläum fällt auf den 11. Januar, genau zwei Jahrhunderte nach der Vereinbarung, die zur Gründung der Stadt führte. Bis zum Herbst 2026 rechneten die Organisatoren mit mehr als 200 Veranstaltungen und Projekten, darunter Segelfeste, Ausstellungen, Konzerte und Führungen. Für Reisende bietet das Jubiläumsjahr eine besondere Gelegenheit, die Entwicklung Bremerhavens kennenzulernen: von einem für Bremen angelegten Hafen zu einem bedeutenden Standort für Auswanderung, Fischerei, Schiffbau und Meeresforschung.
Die Entstehung Bremerhavens geht auf ein ganz praktisches Problem zurück. Durch die zunehmende Versandung der Weser wurde es für größere Schiffe immer schwieriger, Bremen zu erreichen. Gleichzeitig erforderte der wachsende Überseehandel einen besseren Zugang zum Meer. Am 11. Januar 1827 unterzeichnete Bremens Bürgermeister Johann Smidt mit dem Königreich Hannover einen Vertrag über den Erwerb von Land nahe der Geestemündung. Bereits im Sommer desselben Jahres begann unter der Leitung des niederländischen Ingenieurs Johannes Jacobus van Ronzelen der Bau des Alten Hafens. Die Hafenanlage wurde 1830 eröffnet, und rund um sie entwickelte sich allmählich eine neue Siedlung. Das Jubiläum 2027 erinnert somit an den Abschluss des Gründungsvertrags und nicht an die Eröffnung des ersten Hafenbeckens.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Hafenanlagen weiter und machten Bremerhaven zu einem wichtigen Ausgangspunkt für den transatlantischen Passagierverkehr und den internationalen Handel. Der 1857 in Bremen gegründete Norddeutsche Lloyd betrieb von Bremerhaven aus regelmäßige Schiffsverbindungen nach New York. Zwischen 1830 und 1974 verließen etwa 7,2 Millionen Auswanderer den Hafen in Richtung Übersee. Familien versammelten sich an den Kais, bevor sie Reisen antraten, die ihr Leben häufig für immer verändern sollten. Ihre persönlichen Geschichten sind bis heute ein wesentlicher Bestandteil der Bremerhavener Identität und erklären, weshalb sich die Museen und das Jubiläumsprogramm nicht nur mit Schiffen, sondern auch mit den Menschen hinter der maritimen Geschichte beschäftigen.
Zum heutigen Stadtgebiet gehören allerdings auch Orte mit einer deutlich längeren Geschichte. Lehe wurde bereits 1273 urkundlich erwähnt, während sich das benachbarte Geestemünde mit eigenen Hafenanlagen, Werften und Fischereibetrieben entwickelte. Im Zuge verschiedener politischer Veränderungen wurden diese Stadtteile zusammengeführt. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erhielt die vergrößerte Stadt 1947 wieder den Namen Bremerhaven. Heute prägen Güterumschlag, Schiffsreparaturen, Fischwirtschaft, Forschung und Tourismus die lokale Wirtschaft. Das 200-jährige Jubiläum würdigt deshalb auch die Stadtteile und ihre Bewohner, die Bremerhaven weit über das ursprüngliche Hafengebiet hinaus geprägt haben.
Der Alte Hafen und der benachbarte Neue Hafen bieten einen guten Einstieg in die maritime Geschichte der Stadt. In den Havenwelten liegen historische Schiffe unmittelbar neben modernen Museen und einladenden Uferpromenaden. Einige historische Kaimauern sind bis heute erhalten geblieben, auch wenn sich das Hafenviertel seit dem 19. Jahrhundert erheblich verändert hat. Bei einem Spaziergang zwischen den Hafenbecken lässt sich der Unterschied zwischen den ersten Hafenanlagen Bremerhavens und den deutlich größeren Umschlaganlagen im Norden der Stadt nachvollziehen. Gleichzeitig können Besucher den alltäglichen Schiffsverkehr auf der Weser beobachten.
Im Museumshafen des Deutschen Schifffahrtsmuseums liegen unter anderem das Walfangschiff RAU IX, der Hafenschlepper STIER und der Hochseebergungsschlepper SEEFALKE. Ob die Schiffe betreten werden können, hängt von den jeweiligen Öffnungsbedingungen ab. Im Fischereihafen veranschaulicht der erhaltene Seitentrawler FMS GERA die anspruchsvollen Arbeitsabläufe der Hochseefischerei. Maschinen, Spezialausrüstung und die beengten Arbeitsbereiche vermitteln einen unmittelbaren Eindruck vom damaligen Leben an Bord. Wer sich zusätzlich für den heutigen Hafenbetrieb interessiert, kann an einer organisierten Hafenrundfahrt teilnehmen, statt zu versuchen, die öffentlich nicht zugänglichen Bereiche des Handelshafens zu betreten.
Bremerhaven ist nach wie vor ein bedeutender internationaler Hafen, in dem Containerkräne, Werften und Kreuzfahrtanlagen zum alltäglichen Stadtbild gehören. Geführte Hafenbusfahrten ermöglichen Einblicke in Bereiche, die von öffentlichen Spazierwegen aus nicht zu sehen sind. Die jeweiligen Routen richten sich allerdings nach den betrieblichen Abläufen und geltenden Sicherheitsbestimmungen. Eine solche Rundfahrt ergänzt den Besuch der historischen Museumsschiffe besonders gut, da sich dadurch die Entwicklung der maritimen Wirtschaft nachvollziehen lässt. Gerade während der besucherstarken Sommermonate des Jubiläumsjahres empfiehlt es sich, die Verfügbarkeit der Führungen rechtzeitig zu prüfen.
Das Deutsche Schifffahrtsmuseum ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für Besucher, die sich mit der Geschichte der Seefahrt beschäftigen möchten. Zu seinen bekanntesten Ausstellungsstücken gehört die Bremer Kogge, ein mittelalterliches Handelsschiff aus der Zeit um 1380, dessen Überreste 1962 in der Weser gefunden wurden. Das erhaltene Wrack zeigt, wie der Seehandel bereits Jahrhunderte vor der Gründung Bremerhavens funktionierte. Weitere Ausstellungsbereiche widmen sich dem Schiffbau und der Beziehung zwischen Mensch und Meer. Für das Jahr 2027 sind außerdem Sonderausstellungen vorgesehen, die sich unter anderem mit Tieren an Bord von Schiffen und den Erfahrungen von Seeleuten während der Pandemie beschäftigen. Vor einem Besuch sollte geprüft werden, welche Ausstellungen zum gewünschten Termin zugänglich sind.
Das Deutsche Auswandererhaus erzählt die Geschichte des Hafens anhand persönlicher Lebenswege. Das Museum befindet sich am Neuen Hafen und vermittelt mit rekonstruierten Räumen, Familiendokumenten und individuellen Erfahrungsberichten, was Abschied und Ankunft für Migranten bedeuteten. Die Sammlung umfasst Zehntausende persönliche Gegenstände und Hunderte Zeitzeugeninterviews. Besonders eindrucksvoll ist der Standort selbst: Genau an diesem Hafenabschnitt verabschiedeten sich einst Menschen von ihren Angehörigen, bevor sie ihre Reise über den Atlantik antraten. Das Museum behandelt außerdem die Einwanderung nach Deutschland und betrachtet Migration damit aus einer breiteren Perspektive als ausschließlich anhand der historischen Passagierschifffahrt.
Wer mehr über die Alltagsgeschichte Bremerhavens erfahren möchte, sollte das Historische Museum Bremerhaven an der Geeste besuchen. Die Sammlungen verbinden die Entwicklung des Handels, der Fischerei und der lokalen Industrie mit dem Leben der Menschen in den verschiedenen Stadtteilen. Hier erfahren Besucher, welche Rolle die Beschäftigten im Hafen und in den Betrieben spielten und wie politische Veränderungen die Stadt formten. Der Standort des Museums steht zudem in engem Zusammenhang mit den Jubiläumsplänen für eine szenische Darstellung der Stadtgründung in der Umgebung. Damit ergänzt das Haus die größeren Attraktionen an der Hafenpromenade um eine wichtige lokalhistorische Perspektive.
Die Bedeutung Bremerhavens als Forschungsstandort zeigt sich besonders deutlich im Klimahaus in den Havenwelten. Die Hauptausstellung führt entlang des Längengrads 8°34′ Ost durch verschiedene Klimazonen der Erde. Nachgebildete Landschaften, unterschiedliche Temperaturen und Luftfeuchtigkeitswerte vermitteln, unter welchen Bedingungen Menschen in verschiedenen Teilen der Welt leben. Die neuere Dauerausstellung Wetterextreme beschäftigt sich mit außergewöhnlichen Wetterereignissen und deren Auswirkungen. Beide Themen passen besonders gut zu einer Küstenstadt, deren Entwicklung eng mit dem Meer und der wissenschaftlichen Forschung verbunden ist. Familien sollten für den Besuch mehrere Stunden einplanen, da sich die Ausstellungen kaum bei einem kurzen Rundgang vollständig erfassen lassen.
Südlich des zentralen Hafenviertels bewahrt das Schaufenster Fischereihafen einen weiteren wichtigen Teil der Bremerhavener Geschichte. In den historischen Packhallen befinden sich heute Fischereibetriebe, Restaurants und verschiedene Einrichtungen rund um die maritime Wirtschaft. Im Fischbahnhof 360° vermitteln großflächige Projektionen Wissenswertes über die Fischerei und die Lebensräume der Nordsee. Der Museumstrawler FMS GERA zeigt dagegen ganz unmittelbar, wie anspruchsvoll die Arbeit auf einem Fischereischiff früher war. Besonders interessant ist das Viertel für Besucher, die die maritime Vergangenheit der Stadt mit ihren kulinarischen Traditionen und dem früheren Arbeitsalltag verbinden möchten.
Auch die Meeresforschung verleiht dem Jubiläum eine zukunftsorientierte Perspektive. Das in Bremerhaven ansässige Alfred-Wegener-Institut beschäftigt sich mit der Erforschung der Polarregionen und der Ozeane. Für 2027 planen das Deutsche Auswandererhaus und das Klimahaus nach Angaben der Jubiläumsorganisatoren eine gemeinsame Ausstellung über Migration und Klimaschutz. Die genauen Termine und Einzelheiten waren in der Ankündigung vom September 2026 noch nicht bestätigt. Diese Themen verdeutlichen, dass sich Bremerhavens Beziehung zum Meer keineswegs auf seine Vergangenheit beschränkt. Sie umfasst ebenso aktuelle Fragen zum Umweltwandel und zur zukünftigen Entwicklung der Küstenregionen.

Die Feierlichkeiten beginnen offiziell am 11. Januar 2027 mit einem Festakt im Stadttheater. Damit wird genau 200 Jahre nach dem Abschluss des Gründungsvertrags an die Entstehung Bremerhavens erinnert. Das Jubiläumsprogramm erstreckt sich jedoch über das gesamte Jahr und beschränkt sich nicht auf ein einzelnes Festwochenende. Am 30. September 2026 kündigte Erlebnis Bremerhaven mehr als 200 erwartete Veranstaltungen, Aktionen und Projekte an. Davon wurden 123 Vorhaben für eine Förderung in Höhe von insgesamt 1,4 Millionen Euro durch das Land Bremen ausgewählt. Zuvor waren mehr als 400 Bewerbungen eingegangen. Das Programm wird fortlaufend weiterentwickelt, weshalb nicht für jede angekündigte Aktivität bereits ein verbindlicher Termin vorliegt.
Einige wichtige Termine stehen bereits fest und bieten eine gute Grundlage für die Reiseplanung. Am 1. Mai ist ein öffentliches Fest auf dem Konrad-Adenauer-Platz vorgesehen. Ein besonderer maritimer Höhepunkt wird die Lütte Sail sein, die vom 11. bis 15. August 2027 stattfinden soll. Auch verschiedene maritime Einrichtungen planen eigene Aktivitäten. Darüber hinaus begeht das Segelschulschiff Schulschiff Deutschland im selben Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Die Organisatoren weisen allerdings darauf hin, dass Bauarbeiten im Bereich der Kaianlagen Auswirkungen auf die Durchführung der Segelveranstaltung haben können. Wer bestimmte Schiffe besichtigen möchte, sollte sich deshalb rechtzeitig über bestätigte Besuchsmöglichkeiten und mögliche Eintrittskarten informieren.
Das Jubiläumsprogramm beschränkt sich nicht auf die unmittelbare Hafenumgebung. Geplant sind unter anderem historische Torfkahnfahrten auf der Geeste Anfang Mai, eine sommerliche Musikveranstaltung im Bürgerpark, eine Bühnenrevue über die Verbindung zwischen Bremerhaven und New York sowie das vorgesehene Festival Rock im Dock 2.0 auf dem Gelände der Lloyd Werft. Im Herbst soll die Inszenierung Brücke nach Übersee die Stadtgründung mit Theater, Musik und Licht an der Geeste darstellen. Fotoausstellungen, Stadtteilfeste und Betriebsbesichtigungen ergänzen die geplanten Aktivitäten. Diese Projekte wurden 2026 angekündigt, ihre endgültigen Termine und Abläufe müssen jedoch noch von den jeweiligen Veranstaltern bestätigt werden.
Der Mai und der August dürften sich besonders für Reisende eignen, die Bremerhaven während größerer Feierlichkeiten erleben möchten. Wer sich dagegen hauptsächlich für die Museen interessiert und einen ruhigeren Aufenthalt bevorzugt, kann auch andere Monate wählen. Der offizielle Jubiläumskalender unter bhv-200.de veröffentlicht seit Oktober 2026 Veranstaltungstermine und soll regelmäßig ergänzt werden. Es empfiehlt sich, die Angaben sowohl vor der Buchung als auch kurz vor der Anreise zu kontrollieren, da sich Termine, Eintrittspreise und Zugangsbedingungen einzelner Veranstaltungen ändern können. Nicht für alle Jubiläumsveranstaltungen sind Eintrittskarten erforderlich. Besucher sollten allerdings nicht davon ausgehen, dass sämtliche Feierlichkeiten und Museumsbesuche kostenlos sind.
Bremerhaven ist mit der Bahn über Bremen und mit dem Auto über die Autobahn A27 erreichbar. Viele der bekanntesten Sehenswürdigkeiten liegen in den Havenwelten relativ nah beieinander. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum, das Deutsche Auswandererhaus und das Klimahaus lassen sich deshalb gut bei einem gemeinsamen Spaziergang besuchen. Das Historische Museum und das Schaufenster Fischereihafen können mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Besichtigung einbezogen werden. Für einen ersten Aufenthalt sind zwei Tage sinnvoll: Ein Tag bietet sich für die großen Museen am Hafen an, während der zweite für den Fischereihafen, eine Hafenrundfahrt und eine Jubiläumsveranstaltung genutzt werden kann. Bei größeren Festen sollten zusätzliche Zeitreserven eingeplant werden.
Eine gewisse Flexibilität bei der Reiseplanung ist empfehlenswert. Das Wetter an der Nordsee kann sich schnell ändern, sodass Wind und Regen Auswirkungen auf Veranstaltungen im Freien haben können. Auch die Besichtigung von Schiffen hängt von den jeweiligen Sicherheitsbestimmungen ab. Besonders für die Segelveranstaltungen im August sollten Unterkünfte frühzeitig reserviert werden. Zudem lohnt es sich, vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten der einzelnen Museen zu überprüfen. Der 200. Geburtstag ist ein besonderer Anlass, Bremerhaven zu besuchen. Der eigentliche Reiz der Stadt liegt jedoch in ihrer vielfältigen Identität: als historischer Ausgangspunkt für Millionen Auswanderer, als bedeutender Arbeitshafen und als lebendige Küstenstadt, deren Bewohner ihre maritime Geschichte bis heute weiterschreiben.