Deutschlands unterirdisches Erbe ist deutlich stärker reguliert und strukturiert, als viele Reisende vermuten. Von Bunkern des Zweiten Weltkriegs und Schutzräumen des Kalten Krieges bis zu mittelalterlichen Bergwerksstollen und städtischen Versorgungstunneln wird der Zugang im Jahr 2026 durch strenge Sicherheitsvorschriften, Denkmalschutzgesetze und städtische Buchungssysteme geregelt. Dieser Leitfaden konzentriert sich auf die praktische Seite: wie man legal bucht, was man mitnehmen sollte, welche realen Einschränkungen gelten und wie sich offizielle Führungen von fragwürdigen Angeboten unterscheiden lassen. Zusätzlich finden Sie fünf geprüfte Halbtagesszenarien in verschiedenen Städten – jenseits der bekannten Routen Berlin, Köln und Leipzig.
Die meisten unterirdischen Anlagen in Deutschland stehen entweder unter Denkmalschutz (Denkmalschutzgesetz) oder gelten als technische Infrastruktur. Ein eigenständiger Zutritt ist daher in der Regel untersagt. Der Zugang erfolgt ausschliesslich über lizenzierte Veranstalter, städtische Museen oder eingetragene historische Vereine. Spontane Besuche ohne Reservierung sind 2026 selten; eine vorherige Online-Buchung über offizielle Museumsseiten oder Tourismusbüros ist insbesondere in stark frequentierten Städten wie Hamburg oder Nürnberg üblich.
Tickets werden meist digital mit festen Zeitfenstern angeboten. Die Preise liegen 2026 je nach Dauer und Kategorie zwischen etwa 8 € und 18 € pro erwachsene Person. Ermässigungen gelten für Studierende und Seniorinnen sowie Senioren. Einige Touren setzen ein Mindestalter voraus (häufig 6, 10 oder 14 Jahre). Kartenzahlung ist weit verbreitet; Bargeld wird vor Ort oft nicht mehr akzeptiert. Die Buchungsbestätigung muss zusammen mit einem gültigen Ausweis bei ermässigten Tickets vorgezeigt werden.
Um legale Angebote von zweifelhaften zu unterscheiden, sollten drei Punkte geprüft werden: offizielle Kennzeichnung durch Stadt oder Museum, ein vollständiges Impressum mit deutscher Steuernummer sowie klare Angaben zur Haftpflichtversicherung. Angebote, die ausschliesslich über private Nachrichten oder inoffizielle Gruppen organisiert werden, sind mit Vorsicht zu betrachten. Das Betreten verschlossener oder verlassener Anlagen ohne Genehmigung gilt als Hausfriedensbruch und kann mit Geldbussen oder strafrechtlichen Konsequenzen geahndet werden.
Unterirdische Temperaturen bleiben ganzjährig relativ konstant, meist zwischen 8 °C und 14 °C. Selbst im Sommer fühlen sich die Räume nach 30 bis 60 Minuten kühl und feucht an. Eine leichte, wärmende Jacke ist empfehlenswert. Geschlossene, rutschfeste Schuhe sind unerlässlich, da viele Böden uneben, steinig oder mit Metallgittern versehen sind.
Klaustrophobie sollte realistisch eingeschätzt werden. In mittelalterlichen Stollen oder Schutzräumen können Gänge niedrig und eng sein. Personen mit Atemwegserkrankungen oder ausgeprägter Platzangst sollten sich vorab über die Streckenführung informieren. Ein vorzeitiger Abbruch der Führung ist meist nur an bestimmten Punkten möglich, da Sicherheitsabläufe für die gesamte Gruppe eingehalten werden müssen.
Fotografieren ist in der Regel erlaubt, jedoch ohne Stativ, da enge Wege und Evakuierungsanforderungen berücksichtigt werden müssen. Blitzlicht kann in denkmalgeschützten Bereichen eingeschränkt sein. Kinder sind nur zugelassen, wenn sie das vorgeschriebene Mindestalter erfüllen; Kinderwagen sind nicht gestattet, stattdessen werden Tragehilfen empfohlen.
Unterirdische Besichtigungen unterscheiden sich deutlich voneinander. 2026 lassen sie sich meist in vier Hauptkategorien einteilen: museal geführte Rundgänge, historische Tunnelanlagen, Bunker des Zivilschutzes oder Kalten Krieges sowie technische Infrastrukturführungen. Jede Variante bringt unterschiedliche Anforderungen an Kondition, Vorwissen und Sicherheitsunterweisung mit sich.
Museumsgeführte Touren sind am stärksten strukturiert. Sie verlaufen durch gesicherte Bereiche mit erklärenden Tafeln und kontrollierter Beleuchtung. Der Schwerpunkt liegt auf historischer Einordnung und Dokumentation. Die Dauer beträgt üblicherweise 60 bis 90 Minuten und ist für ein breites Publikum geeignet.
Historische Tunnel, etwa ehemalige Bergwerksgänge oder Festungskeller, beinhalten häufiger unebene Wege und geringere Beleuchtung. Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges konzentrieren sich auf Notfallplanung und originale Ausstattung. Technische Führungen – beispielsweise durch Entwässerungs- oder Energietunnel – finden seltener statt und erfordern oft eine gesonderte Anmeldung zu speziellen Terminen.
Alle offiziell zugelassenen Führungen unterliegen strengen Arbeitsschutz- und Sicherheitsvorschriften. Guides sind in Evakuierungsverfahren geschult und verfügen über Kommunikationsmittel, falls kein Mobilfunkempfang besteht. Die Gruppengrösse ist begrenzt und liegt meist zwischen 10 und 25 Personen, abhängig von Breite und Anzahl der Notausgänge.
Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist für Veranstalter verpflichtend. Teilnehmende sind während der Führung über die Versicherung des Anbieters abgesichert, sofern sie die Anweisungen befolgen. Das Missachten von Sicherheitsregeln – etwa das Übertreten von Absperrungen – kann den Versicherungsschutz gefährden.
Schutzhelme sind in städtischen Bunkern selten erforderlich, können jedoch in Bergwerks- oder Technikbereichen bereitgestellt werden. Notbeleuchtung und Handläufe sind in genehmigten Anlagen vorgeschrieben. Fehlen sichtbare Sicherheitskennzeichnungen oder Auskünfte zu Fluchtwegen, sollte von einer Teilnahme abgesehen werden.

1. Hamburg – Alter Elbtunnel und Hochbunker
Der historische Alte Elbtunnel von 1911 ist tagsüber kostenfrei für Fussgänger zugänglich. Ergänzend empfiehlt sich eine gebuchte Führung durch einen erhaltenen Hochbunker mit offizieller Trägerschaft. Insgesamt sollten etwa drei bis vier Stunden eingeplant werden.
2. Nürnberg – Historische Felsengänge
Die unterirdischen Sandsteinkeller unter der Altstadt können im Rahmen geführter Touren besichtigt werden. 2026 liegen die Ticketpreise bei etwa 12 € bis 15 €. Die Führung dauert rund 90 Minuten und bietet Einblicke in die Nutzung während des Zweiten Weltkriegs.
3. Stuttgart – Luftschutzräume
In Zusammenarbeit mit städtischen Einrichtungen werden ehemalige Schutzräume zugänglich gemacht. Die Buchung erfolgt online über offizielle Kanäle. Die Dauer beträgt meist 60 bis 75 Minuten bei moderater Gehstrecke.
4. Saarbrücken / Homburg – Schlossberghöhlen
Diese grossflächigen Sandsteinhöhlen zählen zu den bedeutendsten künstlichen Höhlensystemen Europas. Geführte Besichtigungen kosten etwa 10 € bis 14 €. Breite Kammern und Treppen ermöglichen einen relativ komfortablen Besuch.
5. Ulm – Unterirdische Gänge der Bundesfestung
Die Festungsanlagen des 19. Jahrhunderts bieten geführte Zugänge zu militärischen Tunneln. Die Termine sind begrenzt und erfordern eine frühzeitige Reservierung. Der Schwerpunkt liegt auf Ingenieurtechnik und Verteidigungsarchitektur.
Alle genannten Szenarien lassen sich gut innerhalb eines halben Tages realisieren und mit oberirdischen Museen oder Stadtrundgängen kombinieren. Saisonale Öffnungszeiten sollten stets im Voraus überprüft werden, da viele Anlagen im Winter eingeschränkt zugänglich sind.